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Lofoten 2012, vierter Tag – Text

Wieder einmal bin ich frueh aufgestanden. Ist schon verrueckt, das sollte der Wecker um 7 Uhr klingeln und um 6 werde ich wach und kann nicht mehr einschlafen. Um halb siebn beschliesse ich dann, die Nacht fuer beendet zu erklaeren. Ich nutze die gewonnene Zeit und lade noch schnell die topografische Karte App runter, nach der Geir gestern sein Boot navigiert hat. Die ist tatsaechlich kostenlos und man kann die gewuenschten Kartenteile zunaechst zuhause runterladen und dan bis ins kleinste Detail zoomen. Natuerlich zeigt mit mein Galaxy Tab jederzeit an, wo ich bin – selbstredend.

Muesli mit Apfel als Grundlage fuer den Tag. Brote hatte ich am Vorabend noch geschmiert. Zeit gewonnen. Nochmal ein Blick ins Wetter, aber auch daist alles unverändert und keine Wolke fuer den ganzen Tag und die ganze Nacht zu sehen. Grosartig, jetzt müssen die Nordlichter nur noch kommen. . .

Wie befuerchtet, selbst die komplettgewaschenen Handschuhe und die Muetze stinken immer noch nach Krabbenmatsche – von der nur feucht abgewischten Winterjacke ganz zu schweigen. Sorry Papa, aber die muss zuhause erstmal in Quarantaene.

Weit komme ich heute nicht, bis ich das erste Motiv entdecke. Noch in Svolvaer hat der Himmel eine solch wunderbare blau-orangene Faerbung. Da muss ich einfach anhalten. So geht es mir, nachdem ich mich im Supermarkt noch eben mit ein paar Sattmachern eingedeckt habe noch mehrmals auf meinem Weg nach Reine im Sueden der Insel Moskenesøya. In etwa 2 Stunden Fahrzeit habe ich geplant und natuerlich hier und da ein Foto eingeplant. Meine groesste Sorge ist, dass ich ankomme, wenn die Sonne schon wieder weg ist.

Ganz so schlimm ist es nicht, aber es wird doch 12:30 bis ich in Reine eintreffe. Die Sonne hat Ihren Hoechststand bereits hinter sich. Aber das ist nich so schlimm wie der Umstand, dass sie natuerlich auch entsprechend gewandert ist. So halte ich in Reine an DER Stelle an und schiesse Schnellfeuer mit allen Optiken die ich besitze. Nicht ganz meine Art der Fotografie, aber in diesem Fall nicht anders zu loesen. Es gibt zwar auch andere schoene Stellen auf den Lofoten, aber diese hier erwartet man einfach von jemandem der hier war. Ausserdem wollte ich das Vergkeichsfoto von vor fast 15 Jahren machen.

Danach fahre ich noch ein Stueckchen weiter und beschliesse mich im Brandung fotografieren zu ueben. Ob ich ueber das Stadium des Uebens hinaus gekommen bin werde ich spaeter beurteilen. Jedenfalls bin ich bei -1 Grad und starkem Ostwind mehr als reichlich durchgeblasen worden. Ich denke an Dich Pat, wie Du die ganze Zeit im Auto gesessen haettest. Ich glaube, eswar dir richtige Entscheidung allein zu fliegen. Gemeinsam machen wir das im kommenden Jahr Mitte Maerz, wenn die Tage schon wieder lang weden und sich dasFotolicht laenger haelt.

Jetzt sitze ich mach einer kleinen Pirsch durch voellich verlassene Ferienhuetten in Reine in einem Cafe, in dem anscheinend ganz Reine samstaegliche Zuflucht sucht. Haben die alle keineHeizung zuhause, oder macht Kaelte und Dunkelheit einsam? Jedenfalls hat der Kakao fur 35 Kronen geschmeckt. Das sind in etwa 4,40 Euro. Billig ist jedenfalls anders. Aber fuer norwegische Verhaeltnisse ganz ok. Man sitzt gemuetlich und ich habe Zeit das hier zu schreiben. Mal sehen, wann ich dazu komme, den gestrigen Tag „zu Papier“ zu bringen. Heute Nach jedenfalls nicht, da werden Nordlichter gejagt! Und morgen frue auch nicht, denn da soll wieder die Sonne scheinen. Wann ich schlafen soll ist mir auch noch nicht ganz klar. Jetzt mache ich mich auf den Weg zurueck Richtung Svolvær. Habe auf dem Hinweg aber schon sehr gutr Stellen fuer die Nordlichtfotos gefunden. Mal sehen, wie ich die Zeit bis dahin gestalte.

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Bin zwischenzeitlich wieder in Svolvær in meinem Zimmer gelandet. Autofahren im Dunkeln ist hier weniger schoen. Erstens ist man meist allein auf der Strasse, zweitens ist es ab und an glatt und drittens moechte ich eine Elchkarambolage um alles in der Welt vermeiden. Die gibt es hier naemlich, nur leider sieht man sie nur dann wenn man es nicht gebrauchen kann, so wie gestern auf der Rueckfahrt mit Geir vom Fischen.

Ich habe es tatsaechlich geschafft, von Reine in 1 1/2 Stunden mit nur einmal Tankpause bis zur Halbinsel Gimsøy durchzufahren. Na ja, es war inwischen ja auch dunkel geworden. Da gibt es nicht so viel zu fotografieren. Gimsoy ist eine gute halbe Stunde von Svolvær entfernt und hat freien Blick nach Norden. Bis auf die Vesterålen Inseln, aber die sieht man im Dunkeln nicht. Ich habe mich mit dem Auto auf eine Wiese direkt an der Kueste gestellt und dachte, dort auf das Nordlicht zu warten. Dann habe ich mir die Vorhersage nochmals genauer angesehen und festgestellt, dass die Prognose plus minus 7 Stunden von 22:30 Uhr an aussagt. Ich hatte nicht vor, 14 Stunden dortim Auto zu warten. Da die 3 Stunden-Vorhersage fuer die Lofoten noch voellige Stille angibt, beschliesse ich, doch noch einmal nach Svolvær zurueckzufahren. Dauert ja nur 40 Minuten. Entfernungen und Zeiten haben hier oben einfach eine andere Bedeutung.

Habe noch fix Reis und Currysauce im „Kiwi“ eingekauft und in den Topf gekippt. Na ja, zuhause gibt es wieder Vernuenftiges.

So, jetzt alle halbe Stunde in die Prognose gucken und bei abzusehender Aktivitaet nicht wie ins Auto. Halbe Stunde muss ich einplanen, um dahin zu kommen, wo ich meine einen guten Blick und eine schoene Kulisse zu haben. Also wenn die Fotos was werden sollten, dann haben die mit Spontanitaet aber mal rein gar nichts zu tun. Wer Nordlichtotos „knipsen“ kann, der braucht maechtig Glueck.

Drueckt die Daumen!

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